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Kirchenraum bewusst erleben

Du brauchst:
• Post-its in vier Farben  (z. B. gelb, blau, grün, pink)
• Stifte
• Gong oder Glocken

Als Mini gehst du regelmäßig in deine Heimatkirche. Sie ist dir vertraut. Du kennst diverse Details. Aber wie gut kennst du sie wirklich? Und was ändert sich, wenn du einen neuen Blickwinkel einnimmst? Zum Beispiel von der Empore statt aus dem Altarraum? Dieser Artikel liefert dir einen Vorschlag, wie du mit deinen Minis einmal ganz bewusst den Kirchraum mit (fast) allen Sinnen wahrnehmen kannst.
Erkläre deinen Minis zuerst, was du vorhast. Es ist wichtig, dass jeder genug Freiraum um sich hat. Während der Gruppenstunde soll möglichst nicht geredet werden. Nur wenn deine Minis sich darauf einlassen, wird diese Gruppenstunde ein voller Erfolg.
Bei jüngeren Minis oder auch, wenn du besonders schüchterne oder alberne Gruppenkinder hast, kann es hilfreich sein, zu Beginn erst etwas meditative Musik laufen zu
lassen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Schreibaufträge zu verteilen. Jedes Kind soll für sich auf einem Blatt Papier beschreiben, was es hört, sieht, fühlt und riecht. Diese Beschäftigung lenkt sie von störenden Bemerkungen ab oder davon, sich beispielsweise an die beste Freundin dran zu hängen.
Die Gruppenstunde läuft in fünf Phasen ab. Jede Phase beginnt mit einem Gongschlag oder Glockenläuten. Dieses Zeichen zeigt an, dass alle zusammen kommen. Du erläuterst kurz die jeweilige Phase und startest sie mit einem weiteren Gongschlag oder Glockenläuten. Pro Phase solltest du deinen Minis zwischen fünf und zehn Minuten Zeit geben, damit sie wirklich alleine durch die ganze Kirche laufen können.

Phase 1: sehen
Fordere deine Minis auf, sich die Kirche ganz genau anzusehen. In welchen Farben ist sie gestaltet? Wo ist es besonders hell oder dunkel? Wie sind die Fenster angeordnet und gestaltet? Gibt es Pflanzen, Gemälde oder Statuen? Wirkt der Raum eng oder weit? Oder ist das in verschiedenen Bereichen unterschiedlich? Wie ist die Kirche optisch unterteilt? Gibt es in der Architektur Linien, die zum Beispiel den Blick auf den Altar lenken oder verschiedene Bereiche voneinander trennen? Verteile in der Kirche gelbe Post-its und Stifte. Wem etwas besonders auffällt, der kann es aufschreiben und an die jeweilige Stelle kleben. Zum Beispiel: „Hier blendet gerade die Sonne.“ Dasselbe gilt für Dinge, die einem Mini besonders gut oder schlecht gefallen. Zum Beispiel: „Ich mag die Farbe dieses Fensters.“


Phase 2: hören
Jetzt sollen deine Minis ganz genau hinhören. Wie klingen die Schritte der unterschiedlichen Minis? Wo hört man eine Jacke rascheln? Mit kurzen Rufen können sie ausprobieren, wo das Echo besonders stark hallt oder wo ihre Stimme dumpf klingt. Im Gottesdienst kommen bestimmte Klänge zum Einsatz. Läute in dieser Phase ab und zu mit den unterschiedlichen Klingeln und Glocken. Falls du Zugang zur Orgel hast, spiele ab und zu ein paar Töne mit verschiedenen Registern. Lege dazu blaue Post-its aus. Diesmal könnte ein Kommentar zum Beispiel sein: „Hier hallt es gar nicht.“ Oder „Diese Orgelpfeife klingt ganz schön hoch.“
Phase 3: fühlen
In der Kirche kommen verschiedene Materialien zum Einsatz. Deine Minis können mit der Hand darüber streichen, in Socken über verschiedene Bodenbeläge gehen oder auf verschiedenen Kanten knien. Welche Dinge fühlen sich warm oder kühl an? Welche glatt oder rau oder spitz? Wo sind Kanten ausgerundet und wo eckig? Gibt es Stellen in der Kirche, an denen man einen Luftzug spürt? Verteile diesmal grüne Post-its. Deine Minis notieren vielleicht: „Hier zieht es!“ oder „Das piekst.“ Oder „Dieses Polster ist schön weich.“

Phase 4: riechen
Eine Kirche hat ihre ganz eigenen Gerüche. Es gibt Dinge, die extra riechen sollen, wie Weihrauch. Es gibt Gegenstände, die einfach so riechen, wie Kerzen. Und es gibt zum Beispiel Gesangbücher, die über die Jahre den Geruch hunderter Kirchgänger angenommen haben. Deine Minis können auch kurz vor die Tür gehen und wieder hereinkommen. Dabei dürfen sie darauf achten, wie unterschiedlich die Luft vor und in der Kirche riecht.
Nun legst du die pinken Post-its aus. Darauf könnte später stehen: „Ich liebe diesen Blumenduft.“ Oder „Die Gotteslobe riechen komisch.“

Phase 5: Abschluss
In der letzten Phase hat jeder Mini noch einmal die Chance, sich die anderen Post-its anzuschauen. Vielleicht hatte jemand in einer Phase zu wenig Zeit. Oder ihm ist später noch etwas eingefallen, was er ausprobieren möchte. Eventuell haben sich auch neue Lieblingsplätze in der Kirche ergeben. Jetzt ist Zeit, diese noch mal aufzusuchen. Oder sich einfach irgendwo hinzusetzen und die Faszination Kirchenraum auf sich wirken zu lassen. Damit dabei keiner gestört wird und jeder ausreichend Zeit findet, treffen sich diejenigen, die fertig sind, vor der Kirche.
Zum Abschluss der Gruppenstunde bietet sich nach so viel Ruhe ein Fangspiel auf dem Kirchhof an. Damit kann bei Bedarf auch schon angefangen werden, bevor alle draußen sind.