Menü Meta Schließen

Meergewitter

Ich erinnere mich noch an unser Zeltlager am Meer. Im Schutz der Düne standen unsere Zelte im Sand. Es war August und die Luft stand still. In der Sonne verbrannte man und in den Zelten war es stickig. Jeder versuchte einen Platz im Schatten des großen Essenszeltes zu finden. Alle waren wie gelähmt. Abends saßen wir Leiter noch zusammen, als die Teilnehmer schon in ihren Zelten lagen. Der Besitzer des Zeltplatzes setzte sich zu uns und sagte: „Heute Nacht kommt alles in Bewegung.“ Wir sahen ihn erstaunt an. Was wollte er uns damit sagen? Er merkte, dass wir nicht verstanden. Er lächelte und meinte: „Kommt mit, ich zeig euch was.“ Dann ging er mit uns auf die Düne. Über dem Meer lag ein seltsam gelbliches Licht. Am Horizont sahen wir dunkle Wolkentürme. Hier oben wehte uns ein kräftiger Wind entgegen. „Seid aufmerksam. Seid bereit“, forderte er uns auf. „Es wird auch Regen geben.“ Dann ging er nach Hause.

Wir setzten uns wieder ins Essenszelt. „Was meint ihr, wann geht es los?“, fragte einer von uns. Wir wussten es nicht. Es ging nur eine knappe halbe Stunde später los. Und wie! Von einer Sekunde auf die andere brach ein Sturm über die Düne, der uns das Gehen schwer machte. Blitze zuckten am Himmel und schlugen mit ohrenbetäubenden Donnerschlägen ins Meer ein. Und ein Regen prasselte herunter, der auf der Haut wehtat. In Shorts und Regenjacken rannten wir über den Platz um Gräben zu ziehen und die Zelte neu abzuspannen. Immer wieder mussten wir Teilnehmer zurück in ihre Zelte schicken. Nach wenigen Sekunden war selbst die Haut unter der Jacke durchgeweicht.

Nach zweieinhalb Stunden war das Gewitter so plötzlich wieder vorbei, wie es gekommen war. Kleidungsstücke und Spielsachen lagen auf dem Platz verstreut. Das Gewitter hatte alles in Bewegung gebracht. Hatte uns aus unserer Trägheit geweckt und eine frische, kühle Luft zurückgelassen. Keinem von uns war etwas passiert. „Wir müssen tolle Schutzengel haben!“, freute sich ein Leiter. Ich sah die anderen an: „Wir sind ein tolles Team!“

 

Von Rebekka Breuer