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Flucht - Unfreiwillig ins Ungewisse

Viele Menschen weltweit sind auf der Flucht. Was es bedeutet, wenn man seine Heimat und sein Hab und Gut zurücklassen muss, darum geht es in diesem Gruppenstunden-Vorschlag
 
Dauer: 90 Minuten
Teilnehmerzahl: 5-20
Alter: 11-16 Jahre

 
Benötigtes Material:
• Tagebuch von Linda & Aladine
• Einen Briefumschlag pro Mini mit 8 Fotokarten
 
Beides kann runtergeladen werden von: http://mehr-als-messdiener.de/html/arbeitshilfen813.html
 
Vorbereitung:
• Geschichte von Linda ausdrucken.
• Pro Mini einen Briefumschlag vorbereiten: jeweils 8 Fotokarten ausdrucken und in die Umschläge verteilen.
 
Ablauf:
 
Einstieg
• Erzähle den Minis die Geschichte von Linda und Aladine.
Linda und Aladine sind zwei Mädchen, die das Kindermissionswerk im Flüchtlingslager Dzaleka in Malawi kennengelernt hat. Sie sind vor einem Jahr aus dem Kongo geflohen.
• Mache den Minis deutlich, aus welchen Gründen die zwei Mädchen geflohen sind und warum sie nicht frei entscheiden konnten, ihr Zuhause zu verlassen.
 
Spiel: „Fesslung“
• Lade die Minis ein, zwei bis drei Minuten lang im Raum herum zu gehen, indem sie das rechte Ohr mit der linken Hand und den linken Fußknöchel mit der rechten Hand festhalten.
• Die Minis können sich einen kurzen Moment bewusst machen, was sie in diesen paar Minuten erlebt haben, wie es sich anfühlte, gefesselt zu sein.
• Leite über mit dem Hinweis, dass Flüchtlinge viele Formen der Unfreiheit, Einschränkung und Gewalt erfahren: stunden-, monate- oder jahrelang.
 
Erlebnisspiel: „ Auf der Flucht“
• Hierzu benötigst du die Briefumschläge mit den Fotokarten
• Die folgenden Textteile (1-5) werden den Minis vorgelesen. Die Texte können auch von verschiedenen Minis selbst vorgelesen werden.
• Die Minis werden nach jedem Abschnitt gebeten, ihre Kärtchen zurück in den Umschlag zu legen und erfahren somit, was es bedeutet, nichts mehr zu besitzen außer der Kleidung, die man gerade trägt.
 
Texte:
Einleitung:
Wer schon einmal verreist oder umgezogen ist, weiß, was da so alles vorbereitet werden muss. Taschen und Koffer werden gepackt. Jeder überlegt, was er mitnehmen möchte. Oft kennt man das Ziel der Reise und freut sich darauf, dorthin zu kommen. Wichtig ist auch noch, dass man nicht alleine unterwegs ist, sondern gemeinsam mit der Familie. Ganz anders erleben dies Menschen, die fliehen. Sie brechen in aller Eile auf, nehmen nur mit, was sie tragen können. Sie kennen nicht den Ort, wo sie ankommen werden und oft kann nicht die ganze Familie mitkommen.
Von solch einer Flucht erzählt diese Geschichte.
 
1. Teil:
Stell dir vor, du lebst in einem kleinen Dorf in Afrika. Gemeinsam mit deinen Eltern und Geschwistern wohnst du in einer einfachen Hütte. Jeden Morgen gehst du mit deinen Freunden in das nächste Dorf zur Schule. Ihr lernt zusammen und in der Pause spielt ihr Fußball. Nach der Schule hilfst du deiner Mutter. Das Leben der Menschen im Dorf ist einfach, aber alle kennen sich, helfen sich und feiern gerne miteinander. Nur manchmal hörst du, wie die Erwachsenen davon erzählen, dass sie Angst haben. Sie haben von Männern mit Gewehren gehört, die in die Dörfer kommen, die Familien aus ihren Häusern vertreiben und ihnen alles stehlen. In aller Eile müssen die Menschen ihre Sachen packen und fliehen. Ein paar Wochen später wird diese Angst wahr: Die Männer kommen mit Gewehren in euer Dorf, alles geht sehr schnell. Nur mit ein paar Gegenständen in der Tasche bringt sich deine Familie in Sicherheit.
 
Auftrag an die Minis: „ Packe deinen Umschlag aus und schau dir an, was du in deinem Gepäck hast.“
 
2. Teil:
Nach einem langen Fußmarsch in der Nacht bist du mit deiner Mutter und deinen Geschwistern sehr früh am Morgen in einer euch fremden Stadt angekommen. Ihr seid hungrig und erschöpft. Ihr folgt den vielen Menschen auf den Straßen und kommt zu einem großen Marktplatz. Hier gibt es Obst, Gemüse, Fisch und vieles mehr. Weil ihr alle Hunger habt, möchtet ihr etwas zu essen kaufen. Das geht aber nur, wenn du zwei Dinge aus deiner Tasche verkaufst.
 
Auftrag an die Minis: „ Entscheide dich jetzt, welche zwei Dinge du verkaufst, und lege den Rest zurück in den Umschlag.“
 
3. Teil:
Von anderen Menschen, die auch fliehen mussten, erfahrt ihr, dass es einen Ort gibt, wo Flüchtlinge wie ihr in Sicherheit sind. Gemeinsam beschließt ihr, euch auf den langen Weg dorthin zu machen. Endlich habt ihr den Busbahnhof am Rande der Stadt gefunden. Ein Bus steht schon zur Abfahrt bereit, aber er ist schon bis hoch oben mit Taschen, Säcken, Kisten und Menschen beladen. Damit ihr überhaupt mitfahren könnt, müsst ihr euer Gepäck um zwei Gegenstände verkleinern.
 
 
Auftrag an die Minis: „ Entscheide dich welche zwei Gegenstände du nicht mitnehmen wirst.“
 
 
4. Teil:
Ihr seid nun schon einige Stunden mit dem Bus unterwegs. Langsam werdet ihr müde und auch immer durstiger. Alles sieht anders aus als zuhause. Plötzlich gibt es einen lauten Knall. Oje, ein Reifen ist geplatzt, und weit und breit ist keine Ortschaft in Sicht. Auch einen Ersatzreifen gibt es nicht. Ihr habt keine andere Wahl, als zu Fuß entlang der Straße weiter zu gehen. Nach einer Stunde seht ihr Kinder, die Eimer auf den Köpfen tragen und alle in eine Richtung gehen. Ihr seid so durstig, dass ihr ihnen folgt und endlich zu einem Brunnen kommt. Damit ihr genug trinken könnt, müsst ihr am Brunnen etwas bezahlen. Statt Geld habt ihr nur die Sachen in eurer Tasche.
 
 
Auftrag an die Minis: „ Entscheide dich, welche zwei Gegenstände du für das Wasser weggeben wirst.“
 

5. Teil:
Der Weg führt weiter über einfache Straßen bis an die Grenze eures Landes. Ihr wisst nicht, was euch im fremden Land erwarten wird. Ihr sprecht nicht die gleiche Sprache und kennt niemanden. Trotzdem müsst ihr die Grenze überqueren und nach dem Platz suchen, an dem Flüchtlinge aufgenommen werden. Nachts schlaft ihr neben der Straße auf der Erde. Als ihr am nächsten Morgen wach werdet, seid ihr bestohlen worden. Jedem von euch fehlt ein Teil aus der Tasche.
 
 
Auftrag an die Minis: „Was ist dir gestohlen worden?
 
 
Abschlussfragen:
Unterhaltet euch über das Erlebnisspiel. Leitend können dabei folgende Fragen sein:
• Was hast du behalten?
• Aus welchem Grund hast du genau dies behalten?
• Wie hast du es erlebt, nach und nach deine Sachen abgeben zu müssen?
• Was ist dir besonders schwer gefallen abzugeben?
• Wenn ihr überlegt, welche Gegenstände ihr besitzt, die nicht in dem Umschlag waren, welche davon sind für euch lebensnotwenig? Worauf könntet ihr nicht verzichten?
• Fühlt ihr euch immer frei, oder gibt es auch Situationen im Leben, in denen ihr euch ganz und gar nicht frei fühlt?
• Vergleiche deine Situationen, in denen du dich unfrei fühlst mit der eines flüchtenden Kindes.
 
Abschluss:
Am Ende der Gruppenstunde wird ein Gebet gemeinsam mit den Minis gesprochen.

 
Guter Gott, dein Sohn musste schon als Kind vor der Gewalt des Herodes fliehen. Auch hat er erlebt, dass seine engsten Freunde ihn allein gelassen haben und aus Angst und der Hoffnung auf Freiheit geflohen sind. Manchmal sind unsere Wege unsicher und dunkel. Wir wissen nicht, wie unsere nächsten Schritte aussehen werden. Lass uns in diesen Momenten deine Nähe spüren und dich an unserer Seite wissen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen
 
Eine Methode der Fachstelle Minis Freiburg, www.mehr-als-messdiener.de aufgrund der Idee des Kindermissionswerk